Prolog

Die Chroniken der Schattentänzerin

Cayden Jacob Smith, Domhan Ùr im Jahr 167 nach der Schlacht von Versailles

Avril McSwell musste sterben.

»Wirklich? Damit willst du beginnen? Hast wohl zu viel Charles Dickens gelesen. Wir sind hier nicht bei der Weihnachtsgeschichte. Marley war tot - so viel zum Anfang.«

Mit einem tiefen Knurren legte ich die Feder beiseite und betrachtete Fynn, Avrils schwarze Katze, die zu meiner Linken auf dem Tisch saß und mich mit ihrem Blick verurteilte. Allmählich bereute ich es, je auf diese Idee eingegangen und dem zugestimmt zu haben. Gleichzeitig brannte mir diese Geschichte schon ewig auf der Seele und ich wollte sie zu Papier bringen. Daher hob ich fragend die Schultern.

»Wie würdest du denn beginnen?«

»Am Anfang«, erwiderte sie, als wäre es das Logischste auf der Welt. War es auch. Tja, aber wo begann die Sache? Ich war mir selbst nicht sicher. Nach einer Weile rollte Fynn mit den Augen. »Unsere Geschichte beginnt an jenem Tag, als die Götter sich zerstritten. Sogar noch eher. Als nämlich die Sonnengötter ihren Kindern das ewige Leben schenkten und die Götter der Nacht oder des Chaos, es herausfanden und sich aus Wut dagegen auflehnten und einen Fluch aussprachen: Ewig leben und dennoch in den Fängen des Todes. Soll nur das Blut den Hunger stillen. Und jeder, den sie lieben, wird ergrauen und vergehen, während sie in der Zeit erstarren.«

»Der Fluch der Nacht, die Geburtsstunde der Vampire.«

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Prolog

Prolog

Rosenstolz – Ich geh auf Glas

Das Jahr mit dir glich einer Rose – einer Rose aus Glas: verführerisch und zerbrechlich. Doch erst als das Glas zerbrach und die Blüte in Scherben vor mir lag, erkannte ich, was ich nicht hatte sehen wollen.

Deinen Schmerz.

Schweigend saß ich auf der kalten Kirchenbank, starrte auf meine zitternden Hände. Grub die Finger in den schwarzen Stoff des Kleides, welches ich gestern erst gekauft hatte. Vorne an der Kanzel stand Luise, erzählte von ihrer Halbschwester. Kleine Anekdoten aus einem lang entfernten Leben, die alle Anwesenden zum Lachen brachten, obwohl der Schmerz zu tief lag.

Ich lachte nicht. Weinte nicht.

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Langsam klärte sich Charlottes Blick und als sie sich umdrehte, fühlte sie sich von dem Getümmel auf dem Platz völlig erschlagen. Mehr noch als vom Trubel in dem Haus hinter ihr. stand sie vor der Tür zum Clubhaus und überlegte einfach wieder reinzugehen. Vor ihr lag eine Art Marktplatz, gesäumt von baufälligen Gebäuden, von denen der Putz abbröckelte. Und direkt dahinter lag der Hafen mit riesigen Schiffen, deren Segel eingezogen waren. Möwen flogen kreischend über sie hinweg. Sprachlos stand sie da, öffnete den Mund, schloss ihn wieder und starrte auf das offene Meer hinaus.

Am Horizont konnte sie weitere Schiffe ausmachen, deren Segel wie große weiße Wolken aussahen.

»Seltsame Wolken«, zitierte sie ihren Lieblingsdisneyfilm. Ihr Blick wanderte weiter, zu einem wuchtigen Fachwerkhaus, an dem sich riesige Wasserräder befanden. Es sah aus, wie ein Wasserwerk oder etwas in die Richtung. Innerlich notierte sie bereits die Fragen, mit denen sie Alexander löchern wollte.

Sie trat zwei drei Schritte vor und sah sich weiter um. Mitten auf dem Platz standen ein paar Wagen, beladen mit Holzbalken, Metallstreben und diversen Säcken. Von der Arbeit gezeichnete Männer in verdreckten – einst weißen – Unterhemden schleppten die Ladungen zu verschiedenen Gebäuden. Sie brüllten sich gegenseitig Befehle zu. Ihre Stimmen waren rau, zum Teil heiser und ihre Haut schien von der Arbeit im Freien gegerbt zu sein.

»Willst du da nun weiter rumstehen?«, fragte Alexander mit einem leicht genervten Unterton. »Ich würde gerne beim Amt ankommen, bevor sich dein Mal wieder verändert.«

»Oh Mann, du stresst echt«, erwiderte Charlotte und lief an ihm vorbei die Treppe nach unten. »Tut mir echt leid, dass ich gestern in einen Zug gestiegen bin, der mich in eine Welt gebracht hat, die noch in einem anderen Jahrhundert festzustecken scheint. Ich entschuldige mich tausendfach dafür, dass ich diese Eindrücke auf mich wirken lassen muss, um nicht völlig durchzudrehen. Und ich entschuldige mich auch dafür, dass ich nicht gleich auf Anhieb so funktioniere, wie DU das willst!«

Ihre Stimme wurde brüchig und sie wurde lauter, während Alexander schweigend hinter ihr auf der Treppe stehen blieb und wartete, bis sie fertig war. Ihm fielen die Blicke der Arbeiter auf und allmählich wurde ihm ihr Ausbruch ein wenig unangenehm. Ihr pubertäres Verhalten nervte ihn jetzt schon, bis sie sich zu Alexander umdrehte und mit geröteten Augen zu ihm hochsah.

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